Nubaberge 2020: „Ein wirklich unterstützenswertes Projekt“

 

Dr. Markus Trutwin berichtet von seiner Reise zu Schulen in den Nubabergen im Februar 2020

Auf dem beschwerlichen Weg in die Nuba-Berge
Auf dem beschwerlichen Weg in die Nuba-Berge

Die Nubaberge im Sudan sind nicht mal eben um die Ecke, also dauerte es vier Tage, bis Pater Stephan und ich dort ankamen. Wir flogen von Frankfurt nach Nairobi, dann weiter nach Juba, der Hauptstadt Südsudans am Weißen Nil. Von dort flogen wir mit zwei Fliegern der World Food Programms über Rumbek nach Yida.

Auf dem zweiten Flug waren wir nur noch drei Passagiere und zwei afrikanische Pilotinnen, die vorbildlich auf der roten, staubigen Buschpiste landeten. Jetzt begann der anstrengendste Teil der Reise. Mit einem mit Vierrad-Antrieb ausgestatteten Geländewagen ging es über steinige, holprige Pisten in die Nubaberge bei ca. 35 bis 40 Grad, vorbei an verschiedenen Kontrollpunkten. In den ganzen Nubabergen gibt es keinen Zentimeter Asphaltstraße.

Ich saß hinten neben dem Gepäck und schon bald wurde es mir recht übel, die Beine waren zittrig. Nur durch den Wechsel mit Stephan auf den Vordersitz konnte ich die Fahrt, die am Ende ca. neun Stunden dauerte, überstehen. Danke Stephan! Durchaus eine Strapaze, allerdings wurde sie eindeutig versüßt durch die herrliche, aber trockene Landschaft mit Lehmhütten, herrlichen Baobabs (Affenbrotbäumen), winkenden Kindern, ausgetrockneten Flussbetten. Es gibt natürlich keine Brücken, aber wir sahen teils gelb und rosa blühende Sträuchern, auf dem Kopf Wasser tragende Frauen, Ziegen und dürren Rindern, im Schatten sitzende Menschen, schöne Felsformationen und, und, und…..

Momentaufnahme an der Lehmpiste
Alltag an der Lehmpiste

Kauda

In Kauda wurden wir sehr herzlich begrüßt. Pater Stephan ist hier schon eine Institution durch seine Besuche seit 1998. Ich kenne die Nubaberge auch von der ersten gemeinsamen Reise 2008. Am nächsten Morgen begann das eng getaktete Besuchsprogramm der drei großen Schulen.

Hoffnungsvolle Besuche

Stephans Besuche sind nicht nur wegen der Spenden angesagt, sondern sind besonders wegen der Hoffnung, wegen des Nichtvergessens unglaublich wichtig für die Menschen hier.

Überall werden wir mit Klatschen, Singen, Tanz und strahlenden Gesichtern empfangen. Immerhin kommt Pater Stephan schon seit 22 Jahren. Wir besuchten die Schulen in Gidel, Kauda und Kharga.

Die Besuche selbst laufen immer relativ ähnlich ab. Überall ist erst einmal diese kräfteraubende Hitze. Meist beginnt Stephan den Besuch mit einer Messe, zu der dann die Schüler kommen, durchaus eine beeindruckende Anzahl. Alle tragen ihre Schuluniform mit grün-weißen Hemden. Es folgt ein Gespräch mit der Direktorin bzw. dem Direktor der Schule. Sie geben uns dann jemanden mit, der Stephan als Übersetzer begleitet.

Messe in Kaunda
Messe in Kauda

Dann besuchen wir neun Klassen. Zuerst die Pre-Unit, wo die ersten englischen Worte vermittelt und die ersten Zahlen gelernt werden. Dann die Klassen 1 bis 8 der Grundschule (Primary), die Klassenräume sind voll, übervoll, da halten sich durchaus bis ca. 100 Kinder in einem Raum auf. Stephan erzählt von sich, seiner Arbeit, den deutschen Partnerschulen, liest aus den mitgebrachten Schülerbriefen aus Deutschland vor und zeigt die mitgebrachten Zeichnungen.

Diese Schulbesuche sind für uns durchaus anstrengend, aber immer wieder gewinnt Pater Stephan die Sympathie der Schüler mit seinem verschmitzten Lächeln.  Und das ist ansteckender als jedes Corona-Virus!

Das Alter der Schüler ist keineswegs homogen. So können durchaus eine 10-jährige Schülerin und ein 16-jähriger Schüler in einer Klasse nebeneinandersitzen, je nach Bildungsstatus und Einschulungsalter. Und genau das macht diese Schule, die wir auch mit unserem Geld unterstützen, so wichtig.

Unterschiedliche Altersstruktur in der Grundschule
Unterschiedliche Altersstruktur in der Grundschule

Bildung als Friedensarbeit

Bildung ist die beste Friedensarbeit. Ich werde dann am Ende als Dr. Markus vorgestellt und darf auch noch zwei, drei Sätze zur Begrüßung der Schüler in jeder Klasse sagen. Nach dem Rundgang durch die Klassen gibt es eine Stärkung mit kaltem Wasser und es folgt ein Gespräch mit den Lehrern.

Ihre Klagen sind für mich genau dieselben wie 2008. Die Gehälter seien zu niedrig, das Nahrungsangebot sei zu einseitig und nicht ausreichend und die Wohnungssituation sehr bescheiden. Ganz Unrecht haben sie natürlich nicht, aber immerhin ist ihre Situation besser als die der meisten Menschen. Denn immerhin haben sie ein kleines Einkommen, was sie auch regelmäßig ausgezahlt bekommen. Das ist überhaupt nicht selbstverständlich.

Pater Stephan im Gespräch mit einem Schulleiter und Lehrern
Pater Stephan im Gespräch mit einem Schulleiter und Lehrern

Gidel

In Gidel gibt es auch eine weiterführende Schule (Secondary) mit vier Klassen und einem anerkannten Abschluss für ein mögliches Studium. Auch diese Schüler besuchen wir. Manche sind schon deutlich über 20 Jahre alt.

Secondary School in Gidel
Secondary School in Gidel

Probleme mit dem Schulgeld

Aber es gibt ein weiteres großes Problem: Das Schulgeld in den drei Schulen ist niedrig. An der Universität oder anderen Bildungseinrichtungen wird es aber deutlich teurer, so dass sich fast niemand ohne einen Sponsor oder ein Stipendium eine weitere Ausbildung leisten kann. Diese Lücke zwischen Schulabschluss und Studium ist für die meisten Schüler nicht zu überwinden. Nur vereinzelt kommen Schüler – auch durch die Unterstützung des emeritierten Bischofs Macram Max Gassis – an die höheren Schulen.

Fazit : Es waren wunderschöne, erfolgreiche, aber auch anstrengende Tage in den Nubabergen für ein wirklich unterstützenswertes Projekt.

Text und Fotos: Dr. Markus Trutwin

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