10 Jahre Unabhängigkeit Südsudan: Kein Frieden und die Krise der Flüchtlingskinder

Bonn (ots) Bereits zwei Jahre nach der Unabhängigkeit (9. Juli 2011) flammte 2013 der Bürgerkrieg in dem jüngsten Staat der Welt, Südsudan, erneut auf. Frieden ist bis heute nicht in Sicht. Hinzu kommen Naturkatastrophen und Nahrungsmittelknappheit. Dies hat verheerende Auswirkungen insbesondere auf Frauen und Kinder, die mehr als 80 Prozent der südsudanesischen Flüchtlinge stellen und dringend Unterstützung benötigen. Fast vier Millionen Menschen – knapp ein Drittel der Bevölkerung des Südsudans – sind derzeit auf der Flucht. Der Hilfsbedarf ist jedoch nach Angaben der UNO-Flüchtlingshilfe dramatisch unterfinanziert.

10 Jahre Unabhängigkeit Südsudan
Lebensmittelverteilung in Yida, Südsudan (Foto: IPS)

„Die Menschen brauchen Frieden und Unterstützung“

„Die Menschen im Südsudan brauchen zwei Dinge: Frieden und Unterstützung. Insbesondere die Kinder brauchen Hilfe, denn es droht eine verlorene Generation. Und Perspektivlosigkeit führt zwangsläufig in eine Spirale neuer Konflikte“, sagt Peter Ruhenstroth-Bauer, Geschäftsführer der UNO-Flüchtlingshilfe.

Ein Großteil der südsudanesischen Flüchtlinge sind Frauen und Kinder. 65 Prozent der Flüchtlinge aus dem Südsudan sind unter 18 Jahren. Darum wird die Krise in dem Land oftmals als Krise der Flüchtlingskinder bezeichnet. Über 66.000 Flüchtlingskinder sind „unbegleitet“: Sie haben ihre Eltern oder Verwandten verloren oder wurden von ihnen getrennt und sind besonders auf Unterstützung angewiesen. Unterstützung, die das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) bietet und welche die UNO-Flüchtlingshilfe als nationaler Partner des UNHCR fördert: Durch Hilfsmaßnahmen konnten rund 70 Prozent der Flüchtlingskinder im schulpflichtigen Alter die Grundschule besuchen – 2021 sollen 90 Prozent der Kinder diese Möglichkeit haben. Jedoch sind aktuell nur 16 Prozent des benötigten Budgets für die UNHCR-Hilfsmaßnahmen gedeckt. Allein 2021 werden knapp 190 Millionen Euro benötigt.

Südsudan als Aufnahmeland

Trotz der Herausforderungen im eigenen Land verfolgt der Südsudan eine Politik der offenen Türen gegenüber Flüchtlingen aus den Nachbarländern. Im Dezember 2020 lebten rund 314.000 Flüchtlinge im Südsudan, die meisten stammen aus dem Sudan.

Text: UNO-Flüchtlingshilfe e.V.

 

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Für mehr Bildungschancen in Afrika

Tag des afrikanischen Kindes gefeiert

Kinder aus den Schulen in Narus, Südsudan feiern den Tag des afrikanischen KIndes
Kinder aus den Schulen in Narus, Südsudan, feiern den Tag des afrikanischen Kindes. Die Initiative Pater Stephan unterstützte diese Schulen

Jedes Jahr am 16. Juni feiern Schülerinnen und Schüler in vielen Ländern Afrikas der „Tag des afrikanischen Kindes“. Damit gedenken sie des 16. Juni 1976, als im südafrikanischen Soweto schwarze Kinder und Jugendliche auf die Straße gingen, um gegen das ungerechte Bildungs- und Gesellschaftssystem des Landes zu protestierten. Zu dieser Zeit war die südafrikanische Gesellschaft von Apartheid geprägt. Dies betraf natürlich auch das Bildungssystem, das Schwarze systematisch benachteiligte.  

1976: Aufstand gegen die Apartheid

Die Polizei schlug den Aufstand der Schülerinnen und Schüler blutig nieder, tötete und verletzte Hunderte von ihnen. Daraufhin brachen im ganzen Land Proteste aus und Südafrika kam längere Zeit nicht zur Ruhe.

1991 richtete die Afrikanische Union schließlich den jährlich begangenen „Tag des afrikanischen Kindes“ ein, um an den Schülerprotest zu erinnern. Der Tag steht jedes Jahr unter einem anderen Motto, 2021 wurde das Recht auch Bildung und Unversehrtheit von Kindern thematisiert.

Schülerinnen und Schüler in Narus protestieren für bessere Bildungschancen
Schülerinnen und Schüler in Narus protestieren für bessere Bildungschancen

Auch in Narus im Südsudan feierten Kinder und Jugendliche an Schulen, die von der IPS unterstützt werden, den Tag des afrikanischen Kindes.  Es wurde getanzt und gefeiert, die Schülerinnen und Schüler bekamen k­­­leine Geschenke. Außerdem bildeten sie eine Protestzug, um bessere Bildungschancen zu fordern.

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Sudan: Staatengemeinschaft erlässt Schulden in Milliardenhöhe

Beim Afrika-Gipfel in Paris hat die internationale Staatengemeinschaft beschlossen, dem Sudan mehr als zehn Milliarden Euro Schulden zu erlassen. Zu einem solchen „New Deal“ für afrikanische Staaten hatte Frankreichs Präsident Emmanuel Macron aufgerufen. Dies berichteten unter anderem das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“.

Demnach gewährt allein Frankreich dem krisengeschüttelten Sudan einen Schuldenerlass in Höhe von rund fünf Milliarden Euro. Insgesamt hat der Sudan Schulden von 50 Milliarden Euro.

Auch Deutschland hilft

Auch Deutschland will dem Sudan wirtschaftlich unter die Arme greifen: Laut Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) erlässt die Bundesrepublik dem Land Schulden in Höhe von 360 Millionen Euro und übernimmt bis zu 90 Millionen Euro der Zahlungsverpflichtungen, die der Sudan gegenüber dem Internationalen Währungsfond (IWF) hat. Die sudanesische Regierung „brauche den für die Umsetzung politischer und wirtschaftlicher Reformen nötigen finanziellen Spielraum“, erklärte Maas.

Hintergrund für die Initiative der internationalen Staatengemeinschaft sind die massiven politischen, wirtschaftlichen und sozialen Probleme des Sudans. Zum jahrzehntelangen Bürgerkrieg und der von Misswirtschaft geprägten islamistischen Militärdiktatur kamen verheerende Überschwemmungen des Nils. Und in jüngster Zeit veschärften die massiven Auswirkungen der Corona-Pandemie die ohnehin prekäre Lage. Der langjährige Präsident Omar al-Bashir war 2019 nach massiven Protesten von Militärs gestürzt worden.

Hindernisse für Demokratisierung

Der auf dem Afrikagipfel beschlossene Schuldenerlass soll der sudanesischen Übergangsregierung laut „Frankfurter Rundschau“ den nötigen finanziellen Spielraum verschaffen. Die größten Hindernisse auf dem Weg zur Demokratisierung bestünden aber weiterhin: ein „undurchsichtiges Geflecht an Unternehmen“, das immer noch von hochrangigen Militärs kontrolliert werde. Dessen geplante Einbindung in die jeweiligen Ministerien könne das „ohnehin prekäre Verhältnis zwischen der zivilen Regierung und den noch immer an der Macht beteiligen Militärs zusätzlich belasten“. um

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UN: Südsudan steht kurz vor Hungersnot

Hilfe für Millionen Betroffener geplant

„Südsudan ist mit dem schlimmsten Grad an Unterernährung und Lebensmittelunsicherheit seit der Unabhängigkeit vor 10 Jahren konfrontiert“, sagte kürzlich ein Sprecher der Vereinten Nationen (UN) zur drohenden Hungersnot. Zugleich stellte er einen entsprechenden Hilfsplan vor.

Demnach beabsichtigt die UN im Jahr 2021, 6,6 Millionen Menschen, darunter 350.000 Flüchtlinge, mit Schutz- und lebensrettenden Maßnahmen zu helfen.

Hintergrund für die Verschärfung der Krise ist demnach das Zusammenwirken von Gewalt, Klimawandel und der COVID-19- Pandemie. Hinzu kommen verheerende  Überschwemmungen  im letzten und auch in diesem Jahr, wovon laut UN eine Million Menschen betroffen waren. Und im Laufe dieses Jahres seien weitere Überflutungen zu erwarten.

Flüchtlingskrise betrifft vor allem Kinder

Über diese genannten Maßnahmen hinaus plant die UN nach eignen Angaben, insgesamt 2,2 Millionen südsudanesische Flüchtlinge in den Nachbarländern zu unterstützen. Zudem weist sie darauf hin, dass die Flüchtlingskrise vor allem Kinder betreffe, da 65 Prozent von ihnen unter 18 Jahren alt seien. Darunter fallen sowohl die Binnenflüchtlinge, als auch diejenigen, die in die Nachbarländer geflohen sind.  um

Lebensmittelverteilung in Kauda
Foto: IPS

Anmerkung der Redaktion: Auch die Initiative Pater Stephan e.V. (IPS) unterstützt hungernde Familien im Südsudan und im Sudan. So fördert die IPS nicht nur Schulen und Ausbildungsprojekte, sondern leistet auch humanitäre Nothilfe durch Lebensmittelspenden, die in den Projektgebieten verteilt werden.

Das Foto rechts zeigt die Verteilung von Lebensmitteln in Kauda in den Nubabergen (Sudan), unterstützt durch die IPS. Ermöglicht hat dies wiederum ein Großspender, der IPS immer wieder fördert.

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Ärzte befürchten Notstand wegen Fluten im Südsudan

Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenze warnt vor einem möglichen Gesundheitsnotstand im Osten des Südsudans, denn nach Überschwemmungen hat sich in der Region Riang im Bundesstaat Jonglei die humanitäre Situation verschärft. Dies berichtet das Ärzteblatt.

Auf Twitter schreibt die Hilfsorganisation, sie habe bei einem Notfalleinsatz rund 770 Menschen medizinisch behandelt. Besonders besorgniserregend sei die Situation der Kinder unter fünf Jahren.
Laut den Berichten sind 60 Prozent der Kinder in diesem Alter, die in einer der mobilen Kliniken von Ärzte ohne Grenzen behandelt worden waren, in der vergangenen Woche positiv auf Malaria getestet worden. Einige von ihnen befänden sich in einem kritischen Zustand.

Menschen im Osten des Südsudans waren in den letzten Jahren immer wieder Opfer von Überschwemmungen. Dadurch verschärft sich die ohnehin prekäre humanitäre Situation in dem von Bürgerkrieg, Hunger und Krankheiten erschütterten Land. um

Überschwemmungen im Südsudan 2019
Überschwemmungen im Südsudan 2019 (Foto: Initiative Pater Stephan e.V.)

 

Video: Wie deutsche Schüler im Südsudan helfen

 

Wir von der Initiative Pater Stephan (IPS) freuen uns sehr über ein Video von Schülern des Steglitz-Gymnasiums in Berlin: Darin berichten sie von ihrer Unterstützung für Schüler der St. Patrick’s Secondary School in Narus im Südsudan. IPS unterstützt Schulen in Narus schon seit Jahren. Im Rahmen dieser Projekte sammeln die deutschen Gymnasiasten Spenden und schreiben Briefe an die südsudanesischen Schüler. Zum Video geht es mit diesem Link:
https://rundgang.gymnasiumsteglitz.de/#g92

Ein Links-Schwenk im dort erscheinenden Klassenzimmer führt zur Abbildung eines Flugzeug. Ein Klick darauf startet das Video.

Sudan: Frauenzentrum in Kauda gegründet

Projekt in den Nubabergen soll Selbständigkeit von Frauen fördern

Frauenzentrum in Kauda
Frauenzentrum in Kauda

Das Zentrum für Frauenförderung ist eines der zukunftsträchtigen Projekte in der Pfarrei Kauda. Es wurde gegründet, um die Weiterbildung von erwachsenen Frauen zu ermöglichen. Sobald das Projekt abgeschlossen ist, wird es einen großen Einfluss auf das Leben der Frauen in der gesamten Region der Nubaberge haben. Inzwischen spielen Frauen zunehmend eine aktive Rolle in der sozioökonomischen Entwicklung. Dennoch fehlen ihnen wichtige Möglichkeiten und Wege zur Förderung und Selbstverwirklichung.

Eigenes Einkommen erarbeiten

Gemeindepfarrer Christopher Konga begründet den Bau des Frauenzentrums so: „Das Zentrum wurde so entwickelt, dass es die Stärkung der Selbständigkeit von Frauen ermöglicht. Die Frauen sollen sich im vorherrschenden Gesellschaftssystem ihr eigenes Einkommen erarbeiten können, anstatt auf die Unterstützung von Ehemännern, Verwandten, anderen Menschen, Kirchen und Hilfsorganisationen angewiesen zu sein. Das Zentrum wird dazu beitragen, Fähigkeiten und Talente von Frauen zu erkennen und zu verbessern. Ziel ist es, Frauen zusammenzubringen, damit sie einen Ort haben, wo sie sich über ihre Probleme austauschen und gemeinsam Lösungen entwickeln können.“

Innenhof des Frauenzentrums
Innenhof des Frauenzentrums

Wissen und Fähigkeiten verbessern

Die von der Bishop Gassis Relief and Rescue Foundation (BGRRF)geförderten Frauengruppen wünschen sich eine Einrichtung, in der sie ihr Wissen in verschiedenen Bereichen wie Wirtschaft, Ernährungssicherheit, Gesundheit und soziale Entwicklung verbessern können.

Folgende Aufgaben soll das Frauenzentrum erfüllen:

• Erwachsenenbildung anzubieten
• Fähigkeiten und Talente zu entdecken und sie weiterzuentwickeln
• Arbeitsmittel zur Weiterbildung zur Verfügung zu stellen
• Psychosoziale Unterstützung in Notlagen anzubieten
• zu ermöglichen, ihre Produkte vorzustellen und zu vermarkten
• Kenntnisse in Ernährungssicherheit und -haltbarkeit zu erwerben
• Ernährungsberatung und Kochkurse
• Kenntnisse im Schneidern, Weben und in der Herstellung von Dekorationsartikeln sowie Schönheitsprodukten erwerben
• Töpferwaren sowie Energiesparöfen und Jikos (traditionelle Kochherde) aus Lehm herstellenvoneinander zu lernen

Zukünftige Wohnräume
Zukünftige Wohnräume

Es fehlt noch Material

Bis auf die Dächer und den Verputz wurde das Zentrumbereits bereits aufgebaut. Es fehlen noch Mittel für die Dächer, die Bodenbeläge, den Einbau von Türen und Fenstern, für Malerarbeiten, Strom und Beleuchtung, für Zäune und sowie die Beschaffung von Stühlen, Tischen, Nähmaschinen und anderen notwendigen Ausrüstungsgegenständen.

Nach Fertigstellung soll das Zentrum nach der verstorbenen UN-Mitarbeiterin Anne Katrin Feigl benannt werden. Die Familie der ums Leben gekommenen Anne Katrin hat sich mit beträchtlichen Spenden am Bau des Frauenzentrums beteiligt. Der Wunsch der Familie gründet sich auf die Frauenarbeit der Geehrten im Rahmen ihrer Tätigkeit im Sudan. Anne Katrin Feigl kam 2019 bei einem Flugzeugabsturz in Äthiopien ums Leben.

Wir danken ganz herzlich für jede Spende zur Finanzierung dieses äußerst wichtigen Projekts!

Nubaberge 2020: „Ein unterstützenswertes Projekt“

 

Schulen in den Nubabergen 2020: Reisebericht von Dr. Markus Trutwin

Auf dem beschwerlichen Weg in die Nuba-Berge
Auf dem beschwerlichen Weg in die Nuba-Berge

Die Nubaberge im Sudan sind nicht mal eben um die Ecke, also dauerte es vier Tage, bis Pater Stephan und ich dort ankamen. Wir flogen von Frankfurt nach Nairobi, dann weiter nach Juba, der Hauptstadt Südsudans am Weißen Nil. Von dort flogen wir mit zwei Fliegern der World Food Programms über Rumbek nach Yida.

Auf dem zweiten Flug waren wir nur noch drei Passagiere und zwei afrikanische Pilotinnen, die vorbildlich auf der roten, staubigen Buschpiste landeten. Jetzt begann der anstrengendste Teil der Reise. Mit einem mit Vierrad-Antrieb ausgestatteten Geländewagen ging es über steinige, holprige Pisten in die Nubaberge bei ca. 35 bis 40 Grad, vorbei an verschiedenen Kontrollpunkten. In den ganzen Nubabergen gibt es keinen Zentimeter Asphaltstraße.

Ich saß hinten neben dem Gepäck und schon bald wurde es mir recht übel, die Beine waren zittrig. Nur durch den Wechsel mit Stephan auf den Vordersitz konnte ich die Fahrt, die am Ende ca. neun Stunden dauerte, überstehen. Danke Stephan! Durchaus eine Strapaze, allerdings wurde sie eindeutig versüßt durch die herrliche, aber trockene Landschaft mit Lehmhütten, herrlichen Baobabs (Affenbrotbäumen), winkenden Kindern, ausgetrockneten Flussbetten. Es gibt natürlich keine Brücken, aber wir sahen teils gelb und rosa blühende Sträuchern, auf dem Kopf Wasser tragende Frauen, Ziegen und dürren Rindern, im Schatten sitzende Menschen, schöne Felsformationen und, und, und…..

Momentaufnahme an der Lehmpiste
Alltag an der Lehmpiste

Kauda

In Kauda wurden wir sehr herzlich begrüßt. Pater Stephan ist hier schon eine Institution durch seine Besuche seit 1998. Ich kenne die Nubaberge auch von der ersten gemeinsamen Reise 2008. Am nächsten Morgen begann das eng getaktete Besuchsprogramm der drei großen Schulen.

Hoffnungsvolle Besuche

Stephans Besuche sind nicht nur wegen der Spenden angesagt, sondern sind besonders wegen der Hoffnung, wegen des Nichtvergessens unglaublich wichtig für die Menschen hier.

Überall werden wir mit Klatschen, Singen, Tanz und strahlenden Gesichtern empfangen. Immerhin kommt Pater Stephan schon seit 22 Jahren. Wir besuchten die Schulen in Gidel, Kauda und Kharga.

Die Besuche selbst laufen immer relativ ähnlich ab. Überall ist erst einmal diese kräfteraubende Hitze. Meist beginnt Stephan den Besuch mit einer Messe, zu der dann die Schüler kommen, durchaus eine beeindruckende Anzahl. Alle tragen ihre Schuluniform mit grün-weißen Hemden. Es folgt ein Gespräch mit der Direktorin bzw. dem Direktor der Schule. Sie geben uns dann jemanden mit, der Stephan als Übersetzer begleitet.

Messe in Kaunda
Messe in Kauda

100 Kinder in einem Raum

Dann besuchen wir neun Klassen. Zuerst die Pre-Unit, wo die ersten englischen Worte vermittelt und die ersten Zahlen gelernt werden. Dann die Klassen 1 bis 8 der Grundschule (Primary), die Klassenräume sind voll, übervoll, da halten sich durchaus bis ca. 100 Kinder in einem Raum auf. Stephan erzählt von sich, seiner Arbeit, den deutschen Partnerschulen, liest aus den mitgebrachten Schülerbriefen aus Deutschland vor und zeigt die mitgebrachten Zeichnungen.

Diese Schulbesuche sind für uns durchaus anstrengend, aber immer wieder gewinnt Pater Stephan die Sympathie der Schüler mit seinem verschmitzten Lächeln.  Und das ist ansteckender als jedes Corona-Virus!

Das Alter der Schüler ist keineswegs homogen. So können durchaus eine 10-jährige Schülerin und ein 16-jähriger Schüler in einer Klasse nebeneinandersitzen, je nach Bildungsstatus und Einschulungsalter. Und genau das macht diese Schule, die wir auch mit unserem Geld unterstützen, so wichtig.

Unterschiedliche Altersstruktur in der Grundschule
Unterschiedliche Altersstruktur in der Grundschule

Bildung als Friedensarbeit

Bildung ist die beste Friedensarbeit. Ich werde dann am Ende als Dr. Markus vorgestellt und darf auch noch zwei, drei Sätze zur Begrüßung der Schüler in jeder Klasse sagen. Nach dem Rundgang durch die Klassen gibt es eine Stärkung mit kaltem Wasser und es folgt ein Gespräch mit den Lehrern.

Ihre Klagen sind für mich genau dieselben wie 2008. Die Gehälter seien zu niedrig, das Nahrungsangebot sei zu einseitig und nicht ausreichend und die Wohnungssituation sehr bescheiden. Ganz Unrecht haben sie natürlich nicht, aber immerhin ist ihre Situation besser als die der meisten Menschen. Denn immerhin haben sie ein kleines Einkommen, was sie auch regelmäßig ausgezahlt bekommen. Das ist überhaupt nicht selbstverständlich.

Pater Stephan im Gespräch mit einem Schulleiter und Lehrern
Pater Stephan im Gespräch mit einem Schulleiter und Lehrern

Gidel

In Gidel gibt es auch eine weiterführende Schule (Secondary) mit vier Klassen und einem anerkannten Abschluss für ein mögliches Studium. Auch diese Schüler besuchen wir. Manche sind schon deutlich über 20 Jahre alt.

Secondary School in Gidel
Secondary School in Gidel

Probleme mit dem Schulgeld

Aber es gibt ein weiteres großes Problem: Das Schulgeld in den drei Schulen ist niedrig. An der Universität oder anderen Bildungseinrichtungen wird es aber deutlich teurer, so dass sich fast niemand ohne einen Sponsor oder ein Stipendium eine weitere Ausbildung leisten kann. Diese Lücke zwischen Schulabschluss und Studium ist für die meisten Schüler nicht zu überwinden. Nur vereinzelt kommen Schüler – auch durch die Unterstützung des emeritierten Bischofs Macram Max Gassis – an die höheren Schulen.

Fazit : Es waren wunderschöne, erfolgreiche, aber auch anstrengende Tage in den Nubabergen für ein wirklich unterstützenswertes Projekt.

Text und Fotos: Dr. Markus Trutwin

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Reise in die Nubaberge 2019

 

Das Herz Afrikas

Dr. Thomas Kemper und Begleiterin in den Nubabergen
Dr. Thomas Kemper und eine Schwester in den Nubabergen

Welch Freude, daß ich Bruder Stephan zu seiner diesjährigen Reise in die Nuba-Mountains begleiten durfte, zu seinem Sudanprojekt. Hannelore und Rosemarie brachten uns zum Flughafen Luxemburg, von dort über Frankfurt, Flug nach Nairobi, wo wir bei Bischof Macram Gassis, einem warmherzigen Menschen, wohnten. Weiterflug nach Juba (Hauptstadt Südsudan) zu Bruder Bernhard, mittlerweile 39 Grad Celsius. Weiterflug nach Yida, dem UN-Flüchtlingslager mit 80.000 Flüchtlingen aus den Nubabergen. Weiter mit dem Auto über die Grenze in die autonome Region Nubaberge mit 6 Kontroll-Stationen der Rebellen, die die Bevölkerung hier gegen Angriffe aus dem Sudan schützen. Nach 6,5 Stunden auf rauen Sandstrassen mit tiefen Löchern über Kauda, Ankunft in Gidel. Dort durften wir bei Bruder James hospitieren.

Dorfbewohner in den Nubabergen
Dorfbewohner in den Nubabergen

Wir lebten fortan in seinem Camp, inmitten einer wunderschönen Steppen-und Berglandschaft, wo überall Menschen in Strohhütten wie Nomaden wohnen, Kühe, Ziegen laufen umher. Wir besuchten die Schulen seines Projekts zunächst in Gidel, Primary und Secondary School. Die Schüler freuten sich sehr, wir gingen in jede Klasse, Bruder Stephan las aus Briefen von Schülern aus Deutschland vor und zeigte Bilder von den Schulkindern mit der Aufforderung, auch Briefe für deutsche Klassen zu schreiben. Ich durfte immer danach ein paar Worte sagen. Zweite Station war Kauda, auch eine Schule. Das Größte war wohl Kharga, wo die Schule mitten zwischen den Felsen liegt. In einer halboffenen Kirche warteten 300 Kinder, wo Bruder Stephan die Messe zelebrierte, die Kinder tanzten vor dem Altar, es war ein riesiges Fest der Freude. In den leuchtenden Augen der Kinder spürte ich Wärme und Durst nach Bildung. Für mich sind sie das „Herz Afrikas“, um so die Zukunft mitzugestalten in der einen Welt des Friedens gegen den Rationalismus der ersten Welt.

Dr. Thomas Kemper

(Bitte unterstützen sie durch eine Spende die Initiative von Bruder Stephan, damit die armen, notleidenden Kinder hier eine Zukunft haben, danke !)

 

Dr. Bona Malwal: Wann gibt es Frieden im Südsudan?

Vortrag anlässlich des Sudantages 2016 im Kloster Himmerod

Dr. Bona Malwal, 1959 geboren, ist ein sudanesischer Journalist, Politologe und Autor zahlreicher politisch-historischer Schriften mit dem Fokus Sudan.

Als Berater der sudanesischen Regierung begleitete und gestaltete er den Prozess vom Waffenstillstand nach dem Bürgerkrieg bis zur Staatsgründung der Republik Südsudan im Jahre 2011 mit.

Der ehemalige Diplomat Bona Mawal ist academic visitor am St Antony’s College der University of Oxford.

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