Bischof Macram ist von uns gegangen

Der Tod von Bischof Macram Max Gassis lässt eine wichtige Stimme für den Frieden im Sudan und Südsudan für immer verstummen

Bischof Macram Max Gassis
Bischof Macram Max Gassis *21. Sept. 1938 + 4. Juni 2023

Mit tiefer Trauer und schwerem Herzen nehmen wir Abschied von Bischof Macram Max Gassis, einem wahren Humanisten und einem lieben Freund der Initiative Pater Stephan e.V. (IPS). Er war ein unermüdlichen Kämpfer für Menschlichkeit, Bildung und Entwicklung.

Bischof Macram starb am 4. Juni 2023 im Alter von 84 Jahren und hinterlässt ein außergewöhnliches Vermächtnis.  

Mit großer Hingabe und unermüdlicher Energie kämpfte er für die Menschen in den Nubabergen im Sudan und in der Region Twic im Südsudan. Er setzte sich vor allem für die Entwicklung der von Kriegen gezeichneten Länder ein.  

Bischof Macram war ein Mann von tiefem Mitgefühl, dessen Einsatz für das Wohl anderer keine Grenzen zu kennen schien. Durch seine bemerkenswerte Arbeit brachte er Hoffnung in Gemeinschaften, die von Konflikten und Not schwer gezeichnet waren.

Unermüdlich auf das Leid der Menschen aufmerksam gemacht

Im Laufe seines Lebens stellte sich Bischof Macram furchtlos den Herausforderungen, mit denen die Menschen in den Nubabergen und im Südsudan konfrontiert waren. Er arbeitete unermüdlich daran, die Weltöffentlichkeit auf das Leid der Menschen aufmerksam zu machen. In seinen engagierten Auftritten im Ausland legte er schonungslos die Christenverfolgungen und vielfachen Menschenrechtsverletzungen im Sudan offen. Deshalb verfolgte ihn das islamisch-fundamentalistische Regime und sein Leben war in Gefahr, was ihn wiederum ins Exil zwang.

Schulen gebaut und Bildungsprogramme ins Leben gerufen

Bischof Macrams Glaube an die Kraft der Bildung war tief verwurzelt und veranlasste ihn zur Gründung von Schulen und Bildungsprogrammen.  So konnten und können Generationen von jungen Menschen das Wissen und die Chancen für eine bessere Zukunft erhalten. Denn er war davon überzeugt, dass Bildung der Schlüssel ist, um den Teufelskreis von Armut und Gewalt zu durchbrechen.

Krankenhäuser und Brunnen errichtet

Darüber hinaus ließ er Krankenhäuser bauen und Brunnen errichten, damit die Menschen Zugang zu sauberem Wasser erhielten. Um seine Ziele zu verwirklichen, reiste er vom Exil in Nairobi aus um die Welt: Er fungierte dabei als Stimme der Menschen in den Nubabergen und im Südsudan und sammelte Gelder für seine Hilfsprojekte.

Wir von der IPS unterstützen diese Projekte seit über 20 Jahren und werden dies auch weiterhin tun.

Bischof Macram mit südsudanesischen Gemeindepriestern
Bischof Macram mit südsudanesischen Gemeindepriestern
Bischof Macram mit Ordensschwestern im Südsudan
Bischof Macram mit Ordensschwestern im Südsudan
Der Bischof in der Abtei Himmerod anläßlich der Weltgebetsnacht
Der Bischof in der Abtei Himmerod anläßlich der Weltgebetsnacht

Geschätzter und respektierter Freund

Bischof Macram war ein geschätzter und respektierter Freund unserer Initiative und teilte unsere Vision einer gerechten Welt ohne Konflikte und Zwietracht.  Die Zusammenarbeit mit ihm und seine Freundschaft waren für uns von unschätzbarem Wert.

Wir werden ihn sehr vermissen und uns weiter von seiner Vision leiten lassen.

Möge er in Frieden ruhen

Der Vorstand der Initiative Pater Stephan

(Text: G. Haldenwang/U. Mannsbart; Fotos: IPS)

Anmerkung der Redaktion: Wer gerne mehr über Bischof Macram erfahren möchte, dem sei die Biographie „An Angry Shepard: Sudanese Bishop Macram Max Gassis“ empfohlen. Geschrieben hat sie John Ashworth (Verlag: Paulines Publications Africa, 2021; ISBN: 996660216X, 9789966602169; 276 Seiten)

Deckblatt_an angry shepard

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Schnelle Hilfe gefragt!

Tausende Menschen fliehen vor Krieg im Sudan in den Südsudan. (© UNICEF/UN0831619/AFP)
Krieg im Sudan: Tausende Menschen in den Südsudan. Das betrifft insbesondere viele KInder, wie einem Bericht von UNICEF zu entnehmen ist © UNICEF/UN0831619/AFP

Tausende Kriegsflüchtlinge aus dem Sudan brauchen unsere Hilfe!

Der Krieg im Sudan hat einen wachsenden Flüchtlingsstrom in den Südsudan ausgelöst. Diese Flüchtlinge treffen auf eine ohnehin prekäre Versorgungslage im Südsudan, wo Naturkatastrophen, bewaffnete Konflikte und Ernteausfälle das Leben der einheimischen Familien extrem erschweren. Davon sind insbesondere die Kinder betroffen, worauf ein ausführlicher Artikel von Unicef eingeht. Den dazu Artikel finden sie hier.

Die Initiative Pater Stephan e.V. möchte diesen Menschen in der akuten Notlage mit Nahrungsmitteln und Medikamenten helfen.

Um diese Nothilfe leisten zu können, brauchen wir Ihre finanzielle Unterstützung und bitten sie deshalb um eine großzügige Spende:

Spendenkonto:
Initiative Pater Stephan e.V.
Sparkasse Mittelmosel
Konto-Nr.: 600 324 48
BLZ: 587 512 30
IBAN: DE 92 5875 1230 0060 0324 48
SWIFT-BIC: MALADE51BKS

Vielen Dank!

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Alltag im Südsudan: ein Podcast-Tipp

Podcast des Deutschlandfunks über den schwierigen Alltag im Südsudan
In einem informativen Podcast des Deutschlandfunks beschreibt die Autorin Anne Allmeling die äußerst schwierigen Alltagsumstände der Menschen im Südsudan. Hunger, Gewalt, Korruption, die Auswirkungen der Pandemie, Naturkatastrophen, eine extreme hohe Kindersterblichkeit und generelle Unsicherheit bestimmen das Leben der meisten Menschen im Südsudan. Aber es gibt nicht nur Negatives aus dem Alltag im Südsudan zu berichten: „Auch wenn es im Südsudan an fast allem mangelt, so gibt es doch Fortschritte“, heißt es in dem Beitrag. Auch um solche Beispiele geht es in dem Podcast.

Hier der Link zu diesem hörenswerten Bericht:
https://www.deutschlandfunk.de/audiothek?drsearch%3AsearchText=Alltag%20im%20S%C3%BCdsudan&drsearch%3Astations=4f8db02a-35ae-4b78-9cd0-86b177726ec0

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Die Flüchtlingshilfe ist gefährdet

Ukraine-Krieg, Corona und Klimawandel gefährden Flüchtlingshilfe

Die Corona-Pandemie, klimabedingte Krisen und der Ukraine-Krieg verschärfen derzeit soziale Spannungen und schwächen vor allem stark gefährdete Bevölkerungsgruppen. Dadurch ist im Südsudan und anderen Ländern die Flüchtlingshilfe gefährdet. Auf diese besorgniserregende Entwicklung macht die UNO-Flüchtlingshilfe aufmerksam. 

Flüchtlinge warten auf Lebensmittel in Yida im Südsdan
Flüchtlinge warten auf die Verteilung von Lebensmitteln im Flüchtlingscamp Yida im Südsudan

Wegen Kostensteigerung ist die Flüchtlingshilfe gefährdet

Insbesondere der Ukraine-Krieg verschärft die Lage: „Ärmere, von Konflikten und Flüchtlingskrisen betroffene Länder müssen am stärksten unter den globalen Folgen des Krieges leiden“, erklärt Peter Ruhenstroth-Bauer, Geschäftsführer der UNO-Flüchtlingshilfe, dem nationalen Partner des UN-Flüchtlingshilfswerks. Sie werden durch den eklatanten Anstieg der Rohstoff-, Düngemittel- und Lebensmittelpreise und die Unterbrechung der Versorgungsketten vor zusätzliche Herausforderungen gestellt. „Durch den Ukraine-Krieg, die Nahrungsmittelknappheit und Preisanstiege nehmen Armut und Hunger zu. Dies wird vor allem vulnerable Menschen treffen. Um die Not lindern zu können, ist eine enge, konzertierte internationale Kooperation erforderlich“, sagt Ruhenstroth-Bauer. 

Weniger Schulbildung und Unterkünfte für Flüchtlinge

Aufgrund der weltweit gestiegenen Kosten benötigt der UNHCR aktuell mehr als eine Milliarde US-Dollar, um zusätzliche Hilfsmaßnahmen für die Ukraine finanzieren und das Niveau für die UNHCR-Operationen außerhalb der Ukraine auf dem Niveau von 2021 halten zu können. Ohne diese Gelder müssten Schutz- und Hilfsleistungen bei den wichtigsten Operationen drastisch gekürzt werden – mit fatalen Folgen: Zwölf Prozent weniger Flüchtlingskinder hätten dann Zugang zu Schulbildung und 25 Prozent weniger Vertriebene erhielten ausreichende Unterkünfte. 

Hilfseinsätze bereits jetzt drastisch unterfinanziert

Der UNHCR hat zwölf Hilfseinsätze identifiziert, die bereits jetzt drastisch unterfinanziert sind. In diesen Ländern leben mehr als 40 Millionen Menschen, für die der UNHCR zuständig ist. Die Hilfsmaßnahmen dort haben einen Gesamtbedarf von rund 3,6 Milliarden US-Dollar, der bisher lediglich zu 22 Prozent finanziert ist. In den betroffenen Ländern sind nur zwischen 16 und 29 Prozent der benötigten Hilfsgelder angekommen: Uganda (16), Demokratische Republik Kongo (16), Sudan (17), Irak (18), Tschad (20), Äthiopien (20), Südsudan (20), Jemen (22), Bangladesch (26), Jordanien (27), Libanon (28) und Kolumbien (29). 

 Text: ots /um; Foto: ips

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1,7 Millionen Hungernde im Südsudan ohne Nahrung

Das Welternährungsprogramm kann Hungernde im Südsudan nicht versorgen, weil Spenden fehlen

Das Welternährungsprogramm (WFP) ist gezwungen, Essensrationen für 1,7 Millionen Hungernde im Südsudan auszusetzen. Als Grund gibt die UN-Organisation an, dass die finanziellen Mittel erschöpft seien. Dies berichtet die Schweizer Nachrichtenagentur Keystone-SDA.

Demnach reicht das Geld nur noch für 4,4 Millionen Menschen, berichtete Adeyinka Badejo-Sanogo, die amtierende WFP-Direktorin im Südsudan aus der Hauptstadt Juba.

Wie die Agentur weiter mitteilt, hatten die Rationen mit Getreide, Hülsenfrüchten, Speiseöl und Salz im vergangenen Jahr schon einmal halbiert werden müssen. Zwei Drittel der gut elf Millionen Einwohner brauchten eigentlich Unterstützung. „Wir arbeiten, um eine Hungersnot abzuwenden“, sagte Badejo-Sanogo laut Keystone-SDA.

Von mehrere Krisen betroffen

Essensverteilung an Bedürftige im Südsudan (Foto: IPS)

Wie auch wir von der Intiative Pater Stephan (IPS) mehrfach berichteten, hat der Südsudan zeitgleich mit mehreren Krisen zu kämpfen. Dazu zählen etwa die Folgen jährlich auftretender schwerer Überschwemmungen und Dürren sowie kriegerische Auseinandersetzungen, unter anderem wegen Streitigkeiten um Landbesitz. Hinzu kommen jetzt auch noch steigende Lebensmittelpreise wegen des russischen Kriegs gegen die Ukraine.

Laut Agentur braucht das WFP nach eigenen Angaben für dieses Jahr 426 Millionen Dollar (rund 406 Mio Euro) für den Südsudan. Das WFP ist eine Unterorganisation der Vereinten Nationen und erhält seine finanziellen Mittel vor allem von reicheren Ländern. (Keystone-SDA/um)

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Hungersnot im Südsudan nach tödlichen Kämpfen

Tödliche Kämpfe um Landbesitz im Gebiet von Twic County und Agok/Abyei lösten zunächst eine Flüchtlingswelle (wir berichteten) und jetzt auch noch eine  Hungersnot im Südsudan aus. Denn die ohnehin schwierige Versorgung mit Lebensmitteln ist mittlerweile fast vollständig zusammengebrochen. Dies berichtet Pfarrer Kuol aus der Gemeinde Mayen Abun. Demnach sind in den letzten Tagen bereits mehrere Kinder verhungert. Es gibt keine Nahrungsmittel und nicht genügend Wasser. Zudem beschreibt Pfarrer Kuol die hygienischen Zustände als katastrophal.

Flüchtlinge in Mayen Abun (Südsudan), einer Pfarrgemeinde die von der Initiative Pater Stephan e.V. unterstützt wird.
Flüchtlinge in Mayen Abun (Südsudan), einer Pfarrgemeinde die von der Initiative Pater Stephan e.V. unterstützt wird. Die Menschen fliehen vor tödlichen Konflikten in Agok. Dort kämpfen verschiedene Stämme um Landbesitz. Inzwischen herrscht zudem eine Hungersnot, mehrere Kinder sind bereits verhungert.

Bischof appelliert an Konfliktparteien

Inzwischen hat sich der emeritierte Bischof von El Obeid Macram Max Gassis eingeschaltet. In einem offenen Brief ruft er die verfeindeten Parteien dazu auf, die Kämpfe einzustellen und den Konflikt durch einen Dialog friedlich zu lösen. Der Bischof unterstützt seit vielen Jahren mit seiner Hilfsorganisation BGRRF (Bishop Gassis Relief and Rescue Foundation) Gemeinden, Schulen und Ausbildungsstätten in den Regionen Twic und Abyei im Südsudan.  Zudem sorgt BGRRF für Lehrerunterkünfte und baut Brunnen, um den Menschen sauberes Wasser zur Verfügung zu stellen. BGRRF arbeitet dabei eng mit der Initiative Pater Stephan e.V. zusammen.

Wenn Sie unsere Arbeit unterstützten möchten, dann können Sie unter diesem LINK tun. Vielen Dank!

 

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Südsudan: Heftige Kämpfe in Twic County und Abyei (1)

Tödliche Kämpfe um Landbesitz lösen eine Flüchtlingswelle aus. Dahinter stehen tiefgründige sozioökonomische Probleme und eine Vernachlässigung der Jugend

Am 10. Februar 2022 brachen in und um den Ort Agok Kämpfe zwischen zwischen zwei Dinka-Stämmen aus (Ngok-Dinka und Twic-Dinka. Am 18 Februar wurde bereits von 25 Toten und vielen Verletzten berichtet, darunter auch Mitarbeiter einer lokalen Hilfsorganisation. Anlass für die tödlichen Konflikte sind offenbar Streitigkeiten um Landbesitz, die vor allem von jungen Leuten ausgetragen werden.

Zerstörtes Geschäftsgelände in Agok
Zerstörtes Geschäftsgelände in Agok

Kämpfe um Landbesitz und viele Flüchtlinge

70.000 Menschen sollen vertrieben worden sein, ihre Häuser zerstört, ihr Besitz vernichtet oder gestohlen. Außerdem haben die Angreifer acht Menschen entführt, darunter drei Jungen und drei Mädchen. Ein Großteil der Bewohner von Agok sind aus dem Ort geflohen, da hier der Brennpunkt der Auseinandersetzungen lag. Dies geht aus einem Bericht der United Nations Interim Security Force for Abyei (Friedensmission der Vereinten Nationen) und einiger ihrer regionalen Partner hervor.

Zerstörtes Gebäude von Mitarbeitern der Hilfsorganisation BGRRF (Bischop Gassis Relief and Rescue Foundation
Zerstörtes Gebäude von Mitarbeitern dder Hilfsorganisation BGRRF (Bischop Gassis Relief and Rescue Foundation

Die Hilfsorganisation BGRRF (Bishop Gassis Relief and Rescue Foundation) mit der auch die Initiative Pater Stephan e.V. vor Ort zusammenarbeitet, hat festgestellt, dass die Kämpfe viele Schulkinder stark traumatisiert haben. Insgesamt berichteten lokale Mitarbeiter von BGRRF Wasser- und Lebensmittelknappheit sowie ausreichenden Schutz als dringendste Bedürfnisse der Bevölkerung.

Schüler, die ihr Examen in Abyei ablegen, nachdem sie aus Agok wegen der Kämpfe evakuiert worden sind
Schüler, die ihr Examen in Abyei ablegen, nachdem sie aus Agok wegen der Kämpfe evakuiert worden sind

Pläne für schnelle Hilfe…

Die UN und einige Partnerorganisationen, darunter BGRRF, beraten über schnelle Hilfsaktionen für die betroffene Bevölkerung. So plant BGRRF die Verteilung von Lebensmittel und Saatgut sowie das Ausheben von zwei Brunnen. Die Verteilung der Lebensmittel wirft keinerlei Probleme auf, aber das Gebiet, in denen die Brunnen gebohrt werden sollen, sind nicht sicher.

…und Probleme bei der Umsetzung

Deshalb wird laut BGRRF jede Unternehmung mit Vertretern der südsudanesischen Regierung und anderen lokalen Partnern abgesprochen.

Abgesehen von der prekären Sicherheitslage müssen sich die Helfer auch mit steigenden Preisen für Güter auseinandersetzten, da alle Märkte im Krisengebiet geschlossen sind. Der Markt von Amiet ist sogar völlig zerstört worden und so fehlen manche Güter in anderen Märkten.

Entscheidend für mögliche Lösungen zum Entschärfen der Krise werden wohl die Ergebnisse und Folgen eines Treffens von UN-Vertretern sowie regionalen und lokalen Hilfsorganisationen am 24.02.2022 sein. Dabei soll über schnelle Hilfe für die betroffene Bevölkerung beraten werden.

Hintergrund der Kämpfe um Landbesitz

Das unabhängige südsudanesische Forschungsinstitut Sudd macht eine verfehlte sozioökonomische Entwicklungspolitik als eigentliche Ursache der tief verwurzelten intraregionalen Spannungen aus, die sich in Kämpfen um Landbesitz zeigen. Dies betrifft sowohl die südsudanesischen Regierung als  auch lokale Politiker  Zwar schienen Streitigkeiten um Landbesitz offensichtliche Ursache der Konflikte zu sein. So würden z.B. einige Politiker die kommunalen Konflikte um Landbesitz durch Presse-Verlautbarungen anheizen, in denen sie Gewalt schüren. Es geht auch darum, wer von den lokalen und regionalen Behörden das Sagen hat, wenn es um den lokalen Markt und die Erträge geht.

Armut und Perspektivlosigkeit als zentrales Übel

Vor allem aber verweist das Sudd-Institut auch die allgegenwärtige Armut: „Armut macht Menschen wütend.“ Und es verweist dabei vor allem auf die Jugend: „Wir haben die Jugendlichen vernachlässigt, die die den Großteil unserer Bevölkerung ausmachen. Solange diese Jugendlichen sich und ihre Familien nicht ernähren, bilden und heilen können, solange sie ihre Fähigkeiten nicht entwickeln und ihren Leidenschaften nicht nachgehen können, solange wird der Südsudan instabil bleiben. Wenn unsere politischen Führer nicht die Bedingungen für größeren Wohlstand in den ländlichen Gebieten schaffen, indem sie das Vermögen unseres Landes in die Menschen investieren, solange wird sich unsere Jugend kriminellen Aktivitäten zuwenden und anfällig bleiben für politisch motivierte Gewalt.“

 

Quellen: Sudd Insitute (South Sudan)

Billy A. Ombisa, Programme Manager, South Sudan

 

 

 

 

 

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Video: Gefährliche Kampfmittel-Beseitigung im Südsudan

Der Nachrichtensender euronews macht  in einem Video auf ein gravierendes Problem aufmerksam, das selten erwähnt wird: die extrem gefährliche Beseitigung von Minen und anderen Kampfmitteln in aktuellen oder ehemaligen Kriegsgebieten. Dieses Problem besteht in vielen Ländern, die von bewaffneten Konflikten  betroffen  sind oder waren. In folgendem Video (siehe Link am Ende des Textes) geht es exemplarisch um die Beseitigung von Minen im Südsudan. um https://de.euronews.com/video/2022/01/28/gefahrliches-erbe-verborgene-kampfmittel-im-sudsudan-werden-entscharft

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„Folgen von Covid-19 für Schulkinder im Südsudan“

Ein alarmierender Bericht von Pfarrer Peter Mwale aus Narus im Südsudan (2021)

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Folgen von Covid-19 für Schulkinder im Südsudan: Einige der Mädchen, die in der Bakhita Girls Primary School untergebracht wurden, weil sie während der Covid-19-Pandemie von Zwangs- und Frühheirat bedroht sind

Ende Dezember 2019 und Anfang 2020, als das Coronavirus in China ausbrach, schien alles sehr weit weg. Niemand ahnte damals, dass das Problem eines Tages den Rest der Welt betreffen würde.  Im Februar 2020 begann die Zahl der Covid-19-Fälle in anderen Ländern rasant zu steigen – auch in unserem Nachbarland Kenia. Die Folgen von Covid-19 für Schulkinder waren nun auch im Südsudan zu spüren.

Die südsudanesische Regierung wies uns an, alle unsere Schulen in Narus zu schließen. Auch mussten wir alle öffentlichen kirchlichen Aktivitäten aussetzen, bei denen sich Menschen versammeln. Dadurch sollte die Ausbreitung des Virus in unserer Region eingedämmt werden.

Als wir unsere Schulen schlossen, dachten wir zunächst, dass sich die Situation verbessern würde. Aber sie verschlechterte sich und das hält bis zum heutigen Tag an. Immer mehr Fälle von Covid-19 wurden auch im Südsudan registriert, insbesondere in der Hauptstadt Juba.

Isolation und Hunger

Wir in Narus hatten keine Testkits und so leiteten wir unsere Mitarbeiter an, alle vorgeschriebenen Maßnahmen gegen Covid-19 zu ergreifen. Wir mussten in unserer Gemeinde starke Einschränkungen des sozialen Lebens hinnehmen, was unsere Schulkinder besonders hart traf.

Die Covid-19-Pandemie zeigte sich deutlich in der Unsicherheit und Hoffnungslosigkeit der meisten Eltern und Schüler unserer Schulen, denn es war unklar, wie lange die Isolation und der Hunger anhalten würden. Viele Kinder haben aufgrund ihrer bisherigen Kriegs- und Vertreibungsgeschichte kein richtiges Zuhause. So ist die Schule für die meisten von ihnen nicht nur ein Ort der Bildung sondern auch der Zuflucht.

Extreme Herausforderungen

Die Schule bringt Struktur und Ordnung in das Leben der Kinder. So lange zu Hause zu verbringen, war eine Herausforderung für die Schüler. Sie mussten Wege finden, ihre Zeit sinnvoll zu verbringen. Und für die Eltern war es sehr problematisch, ihre Kinder zu ernähren. Als Pfarrei versuchten wir, manchen Lebensmittelspenden zukommen zu lassen. Doch das war nicht bei allen möglich.

Die andere Auswirkung von Covid-19 auf unsere Schulkinder, insbesondere auf die Mädchen, war die Zunahme von Früh- und Zwangsheiraten, was hauptsächlich das Toposa-Hirtenvolk betraf. Aufgrund von Armut und Hunger in den Dörfern zwangen einige Eltern ihre Kinder zu heiraten, damit sie Tiere als Brautgeld für ihr eigenes Überleben bekommen konnten. Wir nahmen eine größere Zahl von Mädchen in der Grundschule auf und sorgten für sie.

Befreiung aus Zwangslagen

Die Mädchen waren zu uns geflüchtet, damit wir sie aus dieser Zwangslage befreiten. Wir haben mit der Polizei und dem Bezirksamt für Bildung zusammengearbeitet, um gegen diese Zwangsbehandlung vorzugehen und diese jungen Mädchen zu beschützen.

Unserer Pfarrei war es auch gelungen, eine Sensibilisierungskampagne in einem der Dörfer zu starten, das ein Brennpunkt für Zwangs- und Frühverheiratungen von Mädchen ist. Dies betraf auch einige Schülerinnen der Bakhita Girls Primary und der Secondary School. Sie bereiteten sich Ende 2019 gerade auf Prüfungen vor. 

Teenager-Schwangerschaften

Eine weitere Auswirkung von Covid-19 auf unsere Schulkinder ist das Problem der Teenager-Schwangerschaften. Das liegt am langen Aufenthalt zuhause und an der unzureichenden elterlichen Betreuung.

Die Zeit der Abwesenheit von der Schule und der Mangel an elterlicher Betreuung führte bei einigen Mädchen zur Teenager-Schwangerschaft. Wenn wir die Schule nächsten Monat wieder öffnen, wird sich eine größere Anzahl von Mädchen aufgrund von Schwangerschaften nicht mehr in der Schule rückmelden.

Eine Maßnahme, mit der wir dem begegnen, ist ein Tagesworkshop für alle Mädchen, den unsere Pfarrei organisiert hat. Einige der Schwestern und andere Frauen in der Pfarrei sprachen mit den Mädchen darüber, wie sie in dieser schwierigen Zeit gut auf sich selbst aufpassen können.

In einem Workshop konnten sich Schülerinnen über die Gefahren von Früh- und Teenager-Schwangerschaften informieren
Folgen von Covid-19 für Schulkinder im Südsudan: In einem Workshop konnten sich Schülerinnen über die Gefahren von Früh- und Teenager-Schwangerschaften informieren

Missbrauch von Alkohol und Drogen in den Dörfern

Und schließlich wirkt sich Covid-19 auch innerhalb der Gemeinschaft auf unsere Kinder aus. Es kommt etwa zu vermehrtem Missbrauch von Alkohol und Drogen und das betrifft vor allem die Jungen. Die meisten von ihnen haben nichts zu tun und kommen aufgrund von Gruppenzwang und durch Jugendliche in schlechte Gesellschaft.

Auch in der Gemeinde wird viel Alkoholisches gebraut, es ist billig und leicht zugänglich.  Wir als Pfarrei haben uns an die lokale Regierung gewandt, um strenge Maßnahmen gegen das illegale Brauen vor Ort und die Durchsetzung der Altersgrenze zu erreichen.

Schließlich hoffen wir, dass die Wiedereröffnung der Schulen dazu beiträgt, die Situation zu verbessern. Und dass wir so die Auswirkungen von Covid-19 auf unsere Schulkinder und die Gemeinschaft überwinden.

Text: Father Peter Mwale, Pfarrgemeinde Narus, Südsudan.

Übersetzung: Gabriele Haldenwang und Ulrich Mannsbart

Fotos: Initiative Pater Stephan e.V.

Folgen von Covid-19 für Schulkinder im Südsudan: Auf einem Plakat wirbt eine Schülerin dafür, dass junge Mädchen Bildung erhalten sollen, anstatt wegen des Brautpreises in Frühehen gepresst zu werden.
Folgen von Covid-19 für Schulkinder im Südsudan: Auf einem Plakat wirbt eine Schülerin dafür, dass junge Mädchen Bildung erhalten sollen, anstatt wegen des Brautpreises in Frühehen gepresst zu werden.

 

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Kampagne gegen Früh- und Zwangsheiraten im Südsudan

Die Pfarrgemeinde Narus organisierte am 25. November 2021 – dem „Internationaler Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen“ – eine Kampagne gegen Früh- und Zwangsheiraten im Südsudan sowie für die Bildung von Mädchen

Protest gegen Zwangsehe

Foto: Schulmädchen demonstrieren in Narus (Südsudan) gegen Früh- und Zwangsheiraten sowie für mehr Bildung

Im Jahr 2015 startete die Kampagne gegen Zwangsheiraten und frühe Mädchenehen in der Pfarrgemeinde Narus im Südsudan. Seitdem hat die Regierung des Kapoeta East County den 25. November zum „Tag für die Bildung von Mädchen“ ausgerufen. International wird der 25. November als „Internationaler Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen“ begangen. 

So organisiert etwa das Kinderschutz-Komitee der Pfarrei in Narus jedes Jahr eine Kampagne gegen Früh- und Zwangsheiraten im Südsudan sowie für mehr Bildungschancen von Mädchen. 

In den letzten Jahren wurde die Kampagne in Narus veranstaltet. In diesem Jahr beschloss das Kinderschutz-Komitee der Pfarrei, die Kampagne in einem großen Dorf namens Lopua zu organisieren. Lopua liegt ungefähr 45 Autominuten von Narus entfernt.

Am Morgen des 25. November 2021 besuchten alle Schüler und Lehrer aus der Gemeinde Narus das Dorf Lopua. Dort wollten sie auf die Bedeutung von Bildung für Kinder, insbesondere für Mädchen, aufmerksam machen. Es war auch eine Gelegenheit, die Gemeinschaft für das Übel der Früh- und Zwangsheiraten zu sensibilisieren. 

Mädchen werden als Bräute verkauft

Dies betrifft insbesondere Mädchen, die in der vorherrschenden Kultur der Viehhirten als Bräute verkauft werden. Dies hat dazu geführt, dass einige Mitglieder der Gemeinschaft, insbesondere Männer, Mädchen und Frauen so behandeln, als wären sie ihr Besitz. 

Wir haben uns entschieden, das Dorf Lopua dieses Jahr zu besuchen, weil wir bemerkt haben, dass viele Menschen vom Stamm der Toposa zwar täglich aus geschäftlichen Gründen nach Narus kommen. Aber nur wenige von ihnen schicken ihre Kinder dort zur Schule. Unser Besuch sollte die Gemeinde dazu ermutigen, Kinder zur Schule zu schicken und die fatale Unsitte der Früh- und Zwangsheirat von Mädchen zu beenden.

Die Kampagne kam gut an

Die Kampagne kam gut an, viele Dorfbewohner waren erschienen. Die Kinder des Dorfes Lopua waren ebenso anwesend wie Frauen in ihrer traditionellen Kleidung. Auch viele Dorfälteste waren gekommen. Das ist insofern wichtig, als sie großen Einfluss auf Entscheidungen in der Gemeinde haben. Sogar die lokale Bezirksregierung war durch den Bezirkskommissar und den Bildungsbeauftragten vertreten. 

Der Tag begann mit einem gemeinsamen Marsch von einem nahe gelegenen Dorf aus. Alle Schüler, Studenten, Frauen und Jugendlichen kamen von Lopua aus zum Treffpunkt. In Liedern, auf Plakaten und Bannern protestierten sie gegen Früh- und Zwangsheiraten und warben für Bildungschancen. Wir wurden vom Dorfoberhaupt von Lopua freundlich empfangen. 

Hoffnung auf mehr Schulkinder

Er freute sich sehr über diese Initiative zur Förderung der Bildung für alle. Er betonte auch, wie wichtig es sei, dass in seinem Dorf, unter seinen Leuten die Würde von Mädchen geachtet werde. Der Tag und die Veranstaltung waren sehr erfolgreich und wir freuen uns darauf, dass im kommenden Jahr aufgrund unserer Kampagne, die wir zum ersten Mal in Lopua organisiert haben, mehr Kinder aus diesem Dorf in den Schulen in Narus eingeschrieben werden.

Text: Fr. Peter Mwale, Pfarrgemeinde St. Joseph, Narus

Übersetzung: G. Haldenwang, U. Mannsbart; Fotos: IPS

 

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